5 Irrtümer über Cholesterin
Es ist für den Körper lebenswichtig und kann zugleich ernste Krankheiten begünstigen. Kaum ein anderer Stoff sorgt für mehr Verunsicherung als Cholesterin. Das führt zu weit verbreiteten Irrtümern über das Blutfett. Wir zeigen Ihnen die größten Mythen und was dahintersteckt.
Cholesterin hat nicht den besten Ruf. Zu viel davon im Blut erhöht auf Dauer das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Und tatsächlich weisen laut einer aktuellen Untersuchung der Deutschen Schlaganfall-Hilfe 38 Prozent der Teilnehmenden erhöhte Cholesterinwerte auf, 17 Prozent sogar kritische. Und weil der Stoff so gefährlich ist, finden sich im Internet Tausende Seiten zum Thema. Viele sind seriös, viele nicht. Und manche sogar gefährlich, wenn dubiose Behandlungsmöglichkeiten propagiert werden. Das sorgt für Verunsicherung. Wir haben einige der größten Mythen zum Thema Cholesterin unter die Lupe genommen.
1. Cholesterin ist immer ungesund
Falsch. Cholesterin ist für unseren Körper sogar ein lebensnotwendiger Stoff. Als wichtiger Bestandteil der Zellmembranen sorgt das Fett (Lipid) dafür, dass unsere Körperzellen eine schützende Hülle besitzen und stabil bleiben. Außerdem dient Cholesterin als Baustein für viele wichtige Substanzen im Körper: Aus dem Fettstoff werden zum Beispiel die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron gebildet, Vitamin D zum Knochenaufbau oder die Gallensäure, die für die Verdauung benötigt wird. Und weil Cholesterin so wichtig für den Organismus ist, stellt unser Körper rund 80 Prozent der benötigten Menge selbst her, vor allem in der Leber, aber auch im Darm oder der Haut. Nur ein geringer Teil wird über cholesterinhaltige Lebensmittel aufgenommen.
2. Wenn der Gesamtcholesterinwert stimmt, ist alles in Ordnung
Falsch. Ein erhöhter Cholesterinwert ist zwar ein wichtiger Indikator für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen.
Das Gesamtcholesterin allein, das unter 200 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) liegen sollte, ist jedoch nur bedingt aussagekräftig. Von Bedeutung sind auch andere Blutfettwerte, vor allem das „böse“ LDL-Cholesterin und Triglyzeride sowie individuelle Risikofaktoren. Aktuell gelten folgende Zielwerte als erstrebenswert:
- Für gesunde Menschen ohne Risikofaktoren: LDL-Cholesterin (LDL-C) unter 116 mg/dl.
- Gesunde Menschen mit mäßig erhöhtem Risiko, etwa aufgrund von Übergewicht oder leicht erhöhtem Blutdruck: LDL-C unter 100 mg/dl.
- Menschen mit hohem Risiko, z. B. starker Bluthochdruck, Rauchen oder genetisch bedingt hohen Cholesterinwerten: LDL-C unter 70 mg/dl.
- Menschen mit sehr hohem Risiko, (Herzerkrankungen, Diabetes): LDL-C unter 55 mg/dl, ggf. auch < 40 mg/dl, wenn binnen zwei Jahren trotz medikamentöser Behandlung ein zweites Ereignis (z. B. Herzinfarkt) auftritt.
Im Gegensatz zum LDL gilt HDL-Cholesterin als das „gute“ Cholesterin, weil es überschüssiges LDL aus den Gefäßen entfernt. Werte von über 50 mg/dl (Frauen) bzw. über 40 mg/dl (Männer) gelten als günstig. Doch es gibt auch ein Zuviel des Guten. Liegen die HDL-Werte deutlich darüber, erhöht dies laut neuen Studien wiederum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Lassen Sie Ihre Cholesterinwerte überprüfen!
Ab 35 Jahren haben gesetzlich Krankenversicherte alle drei Jahre Anspruch auf einen kostenlosen Gesundheits-Checkup, der auch ein Lipidprofil umfasst (u. a. Cholesterin). Bei 18- bis 34-Jährigen erfolgt die Laboruntersuchung bei entsprechendem Risikoprofil.
Tipp: Auch in vielen Apotheken können Sie Ihre Cholesterinwerte messen lassen. Dort erhalten Sie außerdem praktische Schnelltests für zu Hause.
3. Schlanke Menschen haben keine erhöhten Cholesterinwerte
Das ist ein Irrglaube. Wer schlank und sportlich ist, wähnt sich oft in Sicherheit, weil hohe Cholesterinwerte meist mit Übergewicht und Bewegungsmangel verbunden werden. Doch viele Faktoren können die Blutfettwerte in die Höhe treiben. Dazu gehören auch Erkrankungen wie Diabetes, eine Unterfunktion der Schilddrüse oder Leberleiden. Schlafmangel, chronischer Stress, Alkoholkonsum und Medikamente wie Kortison oder Betablocker können die Cholesterinwerte ebenfalls erhöhen.
Eine Studie hat jüngst auch die Einnahme der Anti-Baby-Pille untersucht und bei jungen Frauen (14 bis 19 Jahre) deutlich erhöhte Blutfettwerte festgestellt. Schließlich gibt es erbliche Faktoren (siehe auch Punkt 4). Als großer Risikofaktor hat sich in den vergangenen Jahren das sogenannte Lipoprotein(a) erwiesen, kurz Lp(a). Es transportiert wie LDL ebenfalls Cholesterin im Blut.
Besonders tückisch: Ein an Lp(a) gebundenes Eiweiß kann sich in der Gefäßwand ablagern, chronische Entzündungen verursachen und Blutgerinnsel begünstigen. Laut Studien gehen hohe Lp(a)-Werte unter anderem mit einem deutlich gesteigerten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall einher – oft schon im Alter von unter 50 Jahren. Die Lp(a)-Konzentration im Blut ist überwiegend genetisch bestimmt, bleibt im Leben weitgehend gleich und lässt sich (derzeit) weder mit Medikamenten noch mit einem gesunden Lebensstil merklich senken (wenngleich Risikofaktoren wie Rauchen etc. vermieden werden sollten). Experten raten, seinen Lp(a)-Wert einmal im Leben bestimmen zu lassen.
4. Hohes Cholesterin betrifft nur ältere Menschen
Falsch. Zwar steigt das Risiko für erhöhte Cholesterinwerte mit zunehmendem Alter. Menschen mit sogenannter familiärer Hypercholesterinämie (FH) haben jedoch schon von Geburt an erhöhte Blutfettwerte. Bei der erblich bedingten Stoffwechselerkrankung sammelt sich durch einen Gendefekt sehr viel LDL-Cholesterin im Blut an (über 190 bis 500 mg/dl) und lagert sich an den Wänden der Arterien und Venen ab. Betroffene entwickeln oft schon im jungen Erwachsenenalter eine Arteriosklerose.
Unbehandelt erkrankt etwa die Hälfte der Männer schon vor dem 50. Lebensjahr an einer koronaren Herzkrankheit (KHK), die zum Herzinfarkt oder plötzlichem Herztod führen kann. Frauen sind bis zur Menopause durch Hormone besser geschützt, bei ihnen sind es rund 30 Prozent bis zum Alter von 60 Jahren. Die familiäre Hypercholesterinämie kommt bei etwa einer von 300 Personen vor. Sind in der Familie Fälle von frühen Herzinfarkten, Stents oder Bypass-Operationen bekannt, sollte man sein Cholesterin dringend überprüfen lassen. Anzeichen können auch gelbliche Knötchen (Xanthome) unter der Haut sein, etwa an den Achillessehnen oder über den Augenlidern. Um eine Behandlung mit Cholesterinsenkern (Statinen) kommen Betroffene meist nicht herum.
5. Eier, Salami & Co. führen zu hohen Cholesterinwerten
Das gilt als überholt. Zwar gehören Eier wie auch Butter oder fettreiche Wurst zu den Lebensmitteln mit dem höchsten Cholesteringehalt (pflanzliche Lebensmittel sind übrigens von Natur aus cholesterinfrei). Doch heute weiß man, dass cholesterinreiche Lebensmittel die Werte bei den meisten Menschen nur geringfügig erhöhen. Der Grund: Je mehr Cholesterin sich im Blut befindet, desto weniger stellt die Leber her. Gegen das Frühstücksei am Sonntag ist also nichts einzuwenden. Grundsätzlich
ist allerdings eine ausgewogene Ernährung mit wenig Fleisch und viel Obst und Gemüse immer von Vorteil. Und kommen noch andere Risikofaktoren hinzu (s. Punkt 2), sollte man seinen Körper nicht noch zusätzlich belasten.
Was Cholesterin so gefährlich macht
Um über das Blut zu den Körperzellen zu gelangen, wird Cholesterin in kleine Transportpäckchen verpackt, sogenannte Lipoproteine (Lipid = Fett, Protein = Eiweiß). LDL-Cholesterin dient sozusagen als Lieferdienst für die Zellen, HDL-Cholesterin als Retour-Service, um überschüssiges und abgelagertes Cholesterin aus dem Körper zurück zur Leber zu bringen, wo es abgebaut werden kann. Ist dieser Mechanismus gestört, können sich LDL-Fettpäckchen im Blut ansammeln und die Blutbahnen immer weiter verengen. HDL wird daher als das „gute“ Cholesterin bezeichnet, LDL als das „böse“ Cholesterin, weil es Arteriosklerose und somit Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt.
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