Heuschnupfen-Alarm! Was gegen die Pollenplage hilft
Für mindestens zwölf Millionen Deutsche ist der Frühling keine Wonne. Während andere sich über die ersten Spaziergänge in der wärmenden Sonne freuen, leiden sie unter Heuschnupfen. Die Krux: Die Zahl der Betroffenen erhöht sich Jahr für Jahr. Und das Leiden beginnt immer früher. Wir zeigen, welche modernen Therapien Abhilfe schaffen können.
Heuschnupfen ist keine typische Frühjahrskrankheit mehr. Wenn die Temperaturen noch winterlich sind, beginnen heutzutage manche Bäume bereits auszuschlagen. Hasel, Erle und andere frühblühende Pflanzen setzen dann schon ihre Pollen frei. Prof. Dr. Thomas Fuchs, Vizepräsident des Ärzteverbands Deutscher Allergologen e. V., erklärt es mit dem Klimawandel: „Mildere Temperaturen im Spätherbst und Winter führen dazu, dass bestimmte Bäume früher Blütenstaub produzieren.“
Selbst wer keine dieser Baumarten in der Umgebung hat, ist gefährdet. Pollen sind nämlich Winzlinge: Mit nur 10 bis 180 Mikrometern Durchmesser sind sie so klein, dass sie weit durch die Luft transportiert werden können – teils bis zu 300 Kilometer. Und: Schon wenige Pollen reichen, um bei empfindlichen Menschen eine Reaktion auszulösen.
Zudem belasten Hitze, Trockenheit und Luftverschmutzung die Pflanzen, sodass sie Blütenstaub entwickeln, der besonders aggressive allergische Reaktionen auslösen kann. „Wenn Rußoder andere Feinstaubpartikel sich auf die Pollen legen, kann das die Entzündungsreaktion erheblich verstärken“, so Prof. Fuchs. Viele Heuschnupfen-Patienten leiden deshalb intensiver als früher unter den typischen Symptomen wie laufender Nase, tränenden Augen, Juckreiz, Kopfweh und/oder allgemeiner Abgeschlagenheit.
Das Immunsystem tickt falsch
Die Ursache der Symptome liegt im Immunsystem: Bei einer Allergie reagiert der Körper, als würde er einen gefährlichen Eindringling bekämpfen. Blütenstaub wird fälschlicherweise als Bedrohung interpretiert und das Immunsystem mobilisiert seine Abwehrkräfte. Spezielle Zellen setzen Histamin und andere Botenstoffe frei, die Nerven reizen, Gefäße erweitern und die Schleimhäute zur Produktion von Sekret anregen. Das Resultat sind die typischen Beschwerden von Heuschnupfen. In schweren Fällen kann es sogar zu Atemnot kommen, falls die Atemwege stark gereizt werden.
Warum das Abwehrsystem so reagiert, haben Forscher noch nicht klären können. Was man aber weiß: Vererbung spielt eine Rolle. Kinder von Allergiker-Eltern haben ein deutlich höheres Risiko, selbst eine Allergie zu entwickeln. Hat nur ein Elternteil Heuschnupfen, sind es zwischen 20 und 40 Prozent, bei beiden Elternteilen steigt das Risiko auf etwa 60 Prozent.
Die betroffenen Eltern können allerdings durch gezielte Maßnahmen Einfluss nehmen. Idealerweise hält man das Haus nicht steril, da Kinder, die in einer übermäßig sauberen Umgebung aufwachsen, anfälliger für Allergien sind. Gleichzeitig sollten Kinder mit einer genetischen Veranlagung nicht unnötig stark mit den Allergieauslösern konfrontiert werden. Ferien in Regionen mit geringer Pollenbelastung, wie an der Küste oder in Hochlagen über 2000 Metern, können hilfreich sein. Auch das Tragen einer FFP2-Maske reduziert die Pollenbelastung, die man beim Einatmen aufnimmt.
Schützt der Kuhstall Kinder vor Heuschnupfen?
Überall auf der Welt wird seit vielen Jahren beobachtet: Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, entwickeln seltener Heuschnupfen als Gleichaltrige aus städtischen oder „keimfreieren“ Umgebungen. Doch die These „Mehr Schmutz = weniger Allergien“ gilt nicht mehr. Neue Studien zeigen: Der sogenannte Hygiene-/Farm-Effekt ist das Resultat eines komplexen Zusammenspiels aus Keimen, Staubpartikeln, Wohn- und Lebensbedingungen, Geschwisterzahl, Tierkontakt und Ernährungsgewohnheiten. Tatsächlich haben Kinder, die auf einem Bauernhof leben, bereits im Säuglings- und Kleinkindalter in der Regel ein besonders vielfältiges – und damit vergleichsweise robusteres – Darm-Mikrobiom (Gemeinschaft von „guten“ Darmbakterien). Was bedeutet das für Eltern? Es kann sich lohnen, ihre Kinder möglichst früh in Kontakt mit Natur und (Haus-)Tieren zu bringen und auf übertriebene Sauberkeit zu verzichten. Das ist auch in der Stadt möglich.
Effektive Hilfen aus der Apotheke
Heuschnupfen lässt sich zwar nicht dauerhaft heilen, aber die Symptome können gelindert werden. Viele Patienten nutzen rezeptfreie Antihistaminika in Form von Tabletten, Tropfen oder Sprays, die die Wirkung des Entzündungsauslösers Histamin abschwächen. Dass diese Medikamente müde machen, gilt nicht mehr generell. So haben neuere Medikamente der sogenannten zweiten Generation, zum Beispiel mit dem Inhaltsstoff Bilastin, generell weniger Nebenwirkungen, helfen besonders gut bei Augen- oder Nasensymptomen und wirken schnell und lang anhaltend. Die meisten Verwender fühlen sich mit ihnen klar und wach.
Mediziner raten, Heuschnupfen nicht „auszuhalten“, sondern die Beschwerden zu therapieren. Eine unbehandelte starke Pollenallergie kann sich nämlich zu einem allergischen Asthma entwickeln – besonders, wenn die Atemwege häufig belastet werden. Zudem reduziert man sein Risiko für sogenannte Kreuzallergien – allergische Reaktionen auf Lebensmittel, deren Proteine denen der Pollen ähneln. So können beispielsweise Menschen mit Birkenpollenallergie auf rohe Äpfel, Nüsse oder Karotten reagieren. Schätzungsweise etwa 60 Prozent aller Nahrungsmittelallergien ab dem Teenageralter sind solche Kreuzallergien.
So reduzieren Sie Ihr Heuschnupfen-Risiko
Zuhause und unterwegs: Mit diesen Verhaltenstipps lässt sich die Pollengefahr verringern:
- Den Urlaub möglichst in die Zeit legen, in der man zuhause am stärksten unter den Pollen leidet. Ideale Reiseziele: Hochgebirge oder Meer.
- Pollenkalender beachten und immer die aktuelle Pollenflugvorhersage checken.
- Immer mal wieder die Nase säubern (z. B. mit einer Nasendusche). Wer das täglich macht, kann den Medikamentenverbrauch um bis zu 30 Prozent senken.
- Ca. 30 Minuten, bevor Sie vor die Tür gehen, Anti-Allergie-Medikamente nehmen. Zum Schutz der Augen draußen eine Sonnenbrille tragen.
- Die Zimmer in der Stadt zwischen 6 und 8 Uhr, auf dem Land zwischen 19 und 24 Uhr lüften, dann ist die Pollenbelastung jeweils am geringsten.
- Zwischen 10 und 13 Uhr fliegen die Pollen am stärksten – möglichst nicht nach draußen gehen.
- Wenn möglich, bei hoher Pollenbelastung Räume mit Klimaanlage bevorzugen und darauf achten, dass die Fenster geschlossen sind.
- Beim Autofahren Fenster geschlossen halten. Noch besser: einen Pollenfilter einbauen lassen.
- Räume mit Zimmerpflanzen meiden – auch sie können Allergien auslösen (z. B. Ficus Benjamina, Yucca-Palme oder auch Orchideen).
- Spaziergänge am besten eine halbe Stunde nach einem Regenschauer machen, denn dann ist die Pollenkonzentration geringer.
- Für den Restaurantbesuch Gaststätten mit möglichst wenig „Pollenfängern“ bevorzugen – also Lokale ohne Teppichböden oder plüschige Sessel.
- Direkt nach dem Nachhausekommen frische Sachen anziehen. Kleiden Sie sich in einem Raum um, in dem Sie sich nicht weiter aufhalten. Hosen, Shirts etc. nicht mit ins Schlafzimmer nehmen.
Die „Impfung“ gegen Pollenallergie
Eine mittlerweile etablierte Therapieoption ist die spezifische Immuntherapie, auch „Allergieimpfung“ oder „Hyposensibilisierung“ genannt. Dabei wird das Immunsystem über längere Zeit schrittweise an die allergieauslösenden Pollen gewöhnt – entweder über Spritzen unter die Haut (SCIT) oder über Tropfen und Tabletten (SLIT). Die Behandlung, eine Kassenleistung, dauert in der Regel mindestens drei Jahre und sollte idealerweise in einer pollenfreien Phase begonnen werden. Erste Effekte sind aber oft schon nach drei bis sechs Monaten zu beobachten. Rund 60 Prozent der Patienten profitieren deutlich von dieser Therapie. Viele werden ganz oder zumindest nahezu beschwerdefrei.
Intensiv geforscht wird zurzeit an sogenannten Biologika für die Heuschnupfentherapie. Das sind Medikamente, die bestimmte Teile des Immunsystems gezielt blockieren. Die Hoffnung der Forschenden: durch eine Kombination mit der Allergieimpfung deren Wirkeintritt beschleunigen zu können. Noch ist allerdings nicht vorhersehbar, wann diese Mittel auf den Markt kommen werden.
Gut zu wissen!
Wann fliegen welche Pollen?
Die genauen Zeiten und die Intensität des Pollenflugs hängen stark vom Wetter ab; ein früher oder warmer Frühling kann die Saison früher beginnen lassen, während ein kühler Frühling sie verzögert. Aktuelle Pollenflug-Infos finden Sie unter: www.pollenstiftung.de
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