Neue Empfehlung zum Stillen
Muttermilch ist die beste Nahrung für Säuglinge und wirkt sich positiv auf ihre Gesundheit und Entwicklung aus. Jetzt geben Fachgesellschaften eine neue Empfehlung, wie lange Frauen idealerweise stillen sollten.
Stillen bietet viele gesundheitliche Vorteile, sowohl für das Kind als auch für die Mutter. Muttermilch enthält viele Wirkstoffe, die Entzündungen hemmen, Bakterien bekämpfen und das Immunsystem stärken. Gestillte Kinder leiden später seltener an Asthma oder
Diabetes Typ 2. Stillen fördert zudem nicht nur die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind, für Frauen reduziert sich auch das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen und Fettstoffwechselstörungen deutlich.
Sechs Monate sind ideal
Jetzt geben 26 Fachgesellschaften und Fachverbände, darunter die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, in einer neuen evidenzbasierten deutschen Leitlinie erstmals eine Empfehlung zur Stilldauer. Danach sollten reifgeborene Kinder (Geburt zwischen der 38. und 42. Schwangerschaftswoche) in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich oder überwiegend gestillt werden. Darüber hinaus wird eine Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten empfohlen.
Beim ausschließlichen Stillen werden dem Säugling keine weiteren Flüssigkeiten gegeben, beim überwiegenden Stillen zusätzlich Wasser oder Tee. Beides wird als Vollstillen bezeichnet. Davon unterscheidet sich das Teilstillen, bei dem zusätzlich Muttermilchersatzprodukte und Beikost gegeben werden.
Bislang hieß es: Ab dem vierten Monat kann der erste Brei gegeben werden. Wie lange Mütter anschließend weiter stillen sollten, wurde nicht konkret empfohlen. Die neue Leitlinie basiert auf 30 sogenannten Outcomes. Das sind große wissenschaftliche Übersichtsarbeiten, in denen untersucht wurde, wie sich das Stillen auf verschiedene Krankheitsbilder und Symptome von Müttern und Kindern auswirkt. Danach sinkt etwa das Risiko für Brustkrebs bei sehr langer Stilldauer je nach Auswertung um 25 bis 40 Prozent.
Trotz ihrer Empfehlung betonen die Fachleute, dass die Leitlinie für medizinisches Fachpersonal gedacht sei, das Mütter individuell berät. Auf Frauen, die nicht stillen wollen oder können, solle kein moralischer Druck ausgeübt werden. Mütter sollten letztendlich immer die Möglichkeit haben, sich frei zu entscheiden.
Milchbörsen - besser nicht!
Mütter, die nicht stillen können, finden im Internet immer öfter sogenannte Muttermilch-Börsen, auf denen Privatpersonen ihre Muttermilch zum Kauf anbieten oder spenden. Fachleute raten aufgrund einer möglichen Belastung mit Keimen oder Krankheitserregern wie HIV oder Hepatitis dringend davon ab.
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