Serie Dr. med. Natur: Blutwurz
Schon unsere Vorfahren setzten mit ihrem Erfahrungswissen auf die heilenden Kräfte von Arzneipflanzen. Längst sind viele davon mit modernen wissenschaftlichen Methoden gut untersucht. Ob als Tee, Tinktur oder Extrakt: Die bewährten Wirkstoffe erhalten Sie in geprüfter Qualität in der Apotheke. In dieser Ausgabe erfahren Sie mehr über die Blutwurz.
Herkunft
Die Blutwurz (Potentilla erecta), auch als Tormentill oder Aufrechtes Fingerkraut bekannt, ist in weiten Teilen Europas und Asiens verbreitet. Sie wächst bevorzugt auf nährstoffarmen, mäßig sauren Böden auf Wiesen, Heiden, Niedermooren und in lichten Wäldern. Auch in Deutschland ist die Pflanze vielerorts heimisch, in den Alpen bis 2200 Meter Höhe.
Botanik
Die eher zarte, krautige Pflanze gehört zur Familie der Rosengewächse und wird gerade mal 10 bis 30 Zentimeter hoch und trägt kleine, leuchtend gelbe Blüten mit meist vier Blütenblättern – eine Besonderheit, da die meisten Rosengewächse fünf Blütenblätter besitzen. Ihren Namen verdankt sie jedoch dem Inneren: Wird der Wurzelstock angeschnitten, färbt er sich tiefrot.
Geschichte
Die Blutwurz blickt auf eine lange Tradition in der Volksheilkunde zurück. In der Antike beschrieben Autoren wie Pedanios Dioskurides in der „Materia medica“ ähnliche Pflanzen, etwa das Kriechende Fingerkraut, das lange Zeit gemeinsam mit Blutwurz genutzt wurde. In historischen Schriften zur Arzneipflanze des Jahres 2024 begegnet man häufig Hildegard von Bingen, die Blutwurz unter anderem bei Fieber empfahl. Auch der Botaniker, Arzt und Theologe Hieronymus Bock riet 1551 zur Anwendung – äußerlich etwa bei Nasenbluten und Hautproblemen, innerlich bei Fieber, Erbrechen und Durchfall.
Neben der Heilkunde spielt Blutwurz bis heute eine Rolle in der regionalen Kultur – etwa in Bayern, wo sie als Zutat für einen traditionellen Kräuterschnaps dient, der als Digestif getrunken wird.
Verwendete Pflanzenteile
Für medizinische Zwecke wird vor allem der zerkleinerte Wurzelstock verwendet, auch Rhizom genannt. Tormentillwurzelstock, wie die Droge im europäischen Arzneibuch genannt wird, enthält besonders viele wirksame Inhaltsstoffe und wird im Frühjahr oder Herbst geerntet, gereinigt und schonend in der Sonne getrocknet.
Wirkung
Seine Heilkraft verdankt das Rhizom vor allem seinem hohen Gehalt an Gerbstoffen. Diese wirken entzündungshemmend, antibakteriell sowie blutstillend, indem sie das Gewebe zusammenziehen. Tormentillwurzelstock wird daher in der Pflanzenheilkunde meist bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum oder bei Entzündungen des Zahnfleisches eingesetzt.
Innerlich kommt die Heilpflanze außerdem bei Durchfallerkrankungen zum Einsatz. Auch bei kleinen Wunden und Ekzemen kann sie unterstützend wirken. Neben Gerbstoffen enthält Blutwurz zudem Flavonoide wie Kaempferol, Kaffee- und Gallussäure sowie Triterpene. Letztere zeigten in Untersuchungen eine kortisonähnliche Wirkung, unter anderem durch entzündungshemmende, antivirale und antiallergische Effekte.
Darreichungsformen
Blutwurz kann in verschiedenen Formen verwendet werden, darunter als Tee, Tinktur, Extrakt, Salbe oder Umschlag. In Ihrer gesund leben-Apotheke erhalten Sie entsprechende Produkte wie Tropfen, Kapseln, geschnittene Tormentillwurzel sowie fertige Mund- und Rachensprays, die häufig mit anderen Wirkstoffen wie Eukalyptusöl oder Nelkenöl kombiniert sind (z. B. REPHA-OS Mund- und Rachenspray). Lassen Sie sich gerne zur richtigen Anwendung beraten.
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