Frühjahrsputz – Saubere Sache für die Seele
Jeder Fünfte greift bei den ersten Sonnenstrahlen zu Lappen und Eimer. Gut so. Denn das Großreinemachen im Frühling bringt nicht nur die Wohnung auf Glanz. Es wirkt auch befreiend und stärkend auf die Psyche.
Wenn es nach der dunklen Jahreszeit wieder wärmer und sonniger wird, das Licht die Räume durchflutet und die Natur sich erneuert, weckt das in uns das innere Bedürfnis nach Klarheit, Luft und Ordnung. Tatsächlich ist der klassische Frühjahrsputz mehr als eine Tradition oder ein Ritual, „den Winter hinauszukehren“.
Das Saubermachen bringt uns auch seelisch in Balance. Der Kölner Psychologe Jens Lönneker hat in seiner Studie zum Thema Putzen festgestellt, dass die Glanzaktion im Haus für viele Menschen mehr ist als eine lästige Pflicht. Sie übernimmt eine wichtige psychische Funktion. Sich vom Schmutz der Umgebung zu befreien wirkt stabilisierend – als Möglichkeit, im Alltag Struktur und Sicherheit zu schaffen, Kontrolle zurückzugewinnen und damit auch dem inneren Chaos entgegenzuwirken.
Jens Lönneker: „Putzen hilft, den Alltag besser zu bewältigen und einem Gefühl von Ohnmacht und Überforderung entgegenzutreten.“
Chaos nervt uns unbewusst
Die psychologische Forschung zeigt seit vielen Jahren, dass die Art, wie wir wohnen, eng verknüpft ist mit unserem seelischen Wohlbefinden. Menschen, die ihre Umgebung als chaotisch erleben, zeigen eher Stressmuster und Stimmungsschwankungen als Personen, die ihr Zuhause als angenehm, geordnet und gemütlich wahrnehmen. Chaos wirkt demnach wie ein dauerhaftes Hintergrundrauschen, das stets an Aufgaben, Verpflichtungen und Unklarheiten erinnert – eine Belastung, die viele gar nicht bewusst wahrnehmen.
Menschen, deren Zuhause in diesem Sinne „stressig“ ist, zeigten in Untersuchungen höhere Konzentrationen des Stresshormons Kortisol und mehr depressive Verstimmungen als Menschen mit einem als „erholsam“ empfundenen Heim. Der Frühjahrsputz wird so zu einer Art Selbstfürsorge – die innere Anspannung bekommt im Wortsinn Raum, sich zu lösen, Stresshormone werden abgebaut.
Wissenschaftlich belegt ist zudem, was viele selbst schon bei sich festgestellt haben: Wenn unser Arbeitsumfeld sauber und aufgeräumt ist, können wir uns besser konzentrieren und arbeiten effektiver. Forscher des University College in London haben sogar einen Zusammenhang zwischen Putzen und Depressionen gefunden. Wer mindestens ein Mal pro Woche putzt, so das Ergebnis der Studie, senkt das Risiko, an einer Depression zu erkranken, um bis zu 20 Prozent.
Putzen wirkt wie ein Tanz
Der Generalputz im Frühjahr hat zusätzlich einen körperlicher Effekt, der ebenfalls positiv auf die Seele wirkt. Von Staubsaugen übers Fensterreinigen bis zum Bodenwischen sind wir in moderater Bewegung. Das steigert Herzfrequenz und Durchblutung wie leichter Sport. Viele Putztätigkeiten sind rhythmisch wie beim Tanzen. Dieses sanfte Training, bei dem wir nicht aus der Puste kommen, sondern eher gleichmäßig atmen, bringt uns nachweislich in Ruhe und gute Laune.
Wissenschaftler raten zu „Mindfull Cleaning“ (englisch für: aufmerksames Säubern). Das heißt, sich auf die Frühjahresaktion ganz bewusst zu konzentrieren. Wer sich bei der Hausarbeit auf die jeweilige Tätigkeit fokussiert, reduziert seine Nervosität und kann klarer denken. Das Gefühl, bei sich selbst zu sein, im Moment anzukommen, kann während des Frühjahrsputzes genauso entstehen wie bei einer Meditation.
Ballast abwerfen tut gut
Sauberkeit ist nur ein Aspekt des gesunden Großreinemachens. Auch das Entrümpeln gehört dazu. Psychologen sprechen von „Clutter“ (englisch für: Unordnung), wenn ein Durcheinander von Dingen uns unbewusst nervt. Das können mit „Rumstehchen“ überladene Räume sein. Das Sammelsurium von Gewürzen und Vorräten auf dem Küchenregal. Oder der überquellende Kleiderschrank. Zu viele Gegenstände erzeugen visuelle Unruhe, die sich auf die Seele überträgt. Wer sich von Sachen trennt, schafft nicht nur räumlich Klarheit, sondern fühlt sich auch leichter und insgesamt zufriedener.
Dabei ist es sinnvoll, das Entrümpeln vor dem Saubermachen anzupacken. Letzteres geht dann schneller und macht mehr Spaß. Wie aber schafft man es, dass der Frühjahrsputz nicht in Stress ausartet? Wichtig ist es, sich nicht zu viel auf einmal vorzunehmen. Zum Beispiel beim Aussortieren. Wer Probleme mit der Entscheidung hat, was weg kann und was bleibt, sollte sich nicht zu lange damit aufhalten. Nachdem die eindeutigen Kandidaten für den Rauswurf identifiziert sind, lohnt es sich, den Rest zunächst zur Seite zu stellen. Beim eigentlichen Frühjahrsputz ist es dann wichtig, sich einen Plan zu machen, um sich nicht zu verzetteln: Welcher Raum ist zuerst an der Reihe? Wieviel möchte und kann ich am Tag schaffen?
Als Taktgeber hat sich das „Pomodoro-Prinzip“ bewährt: 25 Minuten lang eine Aufgabe konzentriert absolvieren, dann eine 5-minütige Pause einlegen. Nach dem vierten 25-Minuten-Zyklus eine längere Pause von 15 bis 30 Minuten machen. Wenn man die 25/5-Minuten-Einteilung als nicht optimal für sich empfindet, kann man den Takt an seine Bedürfnisse anpassen. Wichtig ist nur: während der Putzaktion fokussiert bleiben.
Und zum Schluss gilt: Gönnen Sie sich eine Belohnung für die glanzvolle Arbeit!
Checkliste
- Gut planen
Raum für Raum vorgehen. Wer alles auf einmal bewältigen will, läuft Gefahr, sich zu verzetteln. - Arbeitsblöcke & Pausen
Sollten sich abwechseln. Ideal: 25 Minuten arbeiten, dann 5 Minuten pausieren. Am besten einen Timer stellen. - Erst Entrümpeln
Putzen in einer Umgebung mit freien Flächen motiviert mehr. - Schöne Düfte inspirieren
Kaufen Sie Putzmittel, die Sie gerne riechen. - Mit anderen arbeiten
Etwa mit Freunden erst die eigene Wohnung hübsch machen, dann bei den Freunden helfen. Gemeinsam macht’s mehr Spaß. - Sich belohnen
Und zwar sowohl in den Pausen (z. B. mit einer Tasse Tee) als auch zum Schluss (etwa mit einem Kinobesuch).
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