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Psyche & Wohlbefinden
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Kinderängste

Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden unter psychischen Problemen wie Angststörungen. Das ist das Ergebnis einer großen Untersuchung der Krankenkasse DAK. Wir zeigen, was dahintersteckt, wie Eltern Probleme erkennen können und wo es Hilfe gibt.

Um die seelische Gesundheit unserer Kinder ist es nicht gut bestellt. Laut dem aktuellen DAK Kinder- und Jugendreport, der sich  seit 2018 jährlich wechselnden Fragestellungen zur Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen widmet, sind immer mehr wegen psychischer Probleme in Behandlung, oft sogar dauerhaft. Demnach leiden viele der 5- bis 17-Jährigen unter Ängsten, Depressionen und Essstörungen.

Besonders betroffen sind laut dem Report jugendliche Mädchen: Im Jahr 2024 waren 66,5 von 1000 bei der DAK versicherten Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren mit einer Angststörung in Behandlung. Hochgerechnet entspricht das bundesweit 75.500 jungen Frauen. Im Vergleich zu 2019 – dem Jahr vor der Corona-Pandemie – bedeutet dies einen Anstieg um 53 Prozent!

Die Zahl der chronischen Angststörungen verdoppelte sich sogar gegenüber dem Vergleichszeitraum. Besorgniserregend ist zudem, dass psychische Erkrankungen oft gemeinsam auftreten – Angststörungen und Depressionen kommen bei vielen Mädchen gleichzeitig vor.

Die Zahlen machten das Erbe der Pandemie sichtbar, sagt Prof. Dr. med. Christoph U. Correll, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Berliner Charité: „Wir sehen eine langfristige Verfestigung psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen.“

Fehlende soziale Kontakte und Entwicklungsschritte während der Pandemie hätten besonders bei Mädchen dazu geführt, dass sie Belastungen stärker nach innen verarbeiteten. „Zudem sind Mädchen vulnerabler als Jungen für soziale Medien, deren Konsum in der Pandemie angestiegen ist“, so der Mediziner. „Sie sehen Körperbilder, Glücks- und Zufriedenheitsideale, die nicht erfüllt werden können. Das erhöht das Stresslevel und kann die Ausprägung psychischer Erkrankungen fördern und vertiefen.“

Auch Kriege, der Klimawandel, gesellschaftlicher Druck sowie Zukunftsängste seien im Alltag vieler junger Menschen präsent und belasteten die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Worauf Eltern achten sollten

Grundsätzlich sind Ängste ein natürlicher Teil der kindlichen Entwicklung. Sie dienen als Schutzmechanismus, fordern zur Anpassung auf und helfen, mit Neuem umzugehen. Schon Babys können etwa vertraute von fremden Personen unterscheiden und reagieren mit Angst, wenn zum Beispiel die Bezugsperson plötzlich fehlt.

Später treten andere Ängste wie etwa die Furcht vor Dunkelheit und Gespenstern oder Leistungsängste in der Schulzeit auf. Normalerweise verschwinden die Ängste, wenn das Kind älter wird, oder sind  nicht so ausgeprägt, dass etwa Leistungssituationen wie Klassenarbeiten ganz gemieden werden.

Hellhörig sollten Eltern immer werden, wenn die Angst besonders stark ist, dauerhaft über mehrere Wochen oder Monate anhält und das Kind in seinem Alltag beeinträchtigt. Wenn es sich immer mehr zurückzieht und beispielsweise Aktivitäten meidet, die es sonst gerne getan hat, etwa das Treffen mit Freunden. Auch körperliche Symptome wie häufiges Bauchweh, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen können Warnsignale sein. Die Übergänge zwischen alterstypischen Ängsten und einer Angststörung sind dabei oft fließend.

Eltern sollten im Zweifelsfall rechtzeitig ärztlichen Rat einholen. Denn unbehandelt können sich die Störungen verschlimmern und chronisch werden, was das Risiko für zusätzliche psychische Erkrankungen wie etwa eine Depression erhöht.

Gut zu wissen

Seelische Probleme wie Angststörungen können mit psychotherapeutischen Verfahren und einer umfassenden Elternberatung meist gut behandelt werden. In vielen Fällen reicht eine ambulante Behandlung ohne Medikamente aus. Erste Anlaufstelle sollte die Kinderärztin bzw. der Kinderarzt sein.

Weitere Beratungsmöglichkeiten bieten zum Beispiel die Telefonseelsorge (116 123) oder die Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche (116 111) und für Eltern (0800 111 0 550).

Ein Termin in einer Psychotherapie-Praxis wird unter der Rufnummer 116 117 innerhalb einer Woche vermittelt.

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