Wenn die Augen brennen
Das „trockene Auge“ gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Sehorgans. Das Leiden ist nicht nur schmerzhaft und unangenehm, es kann auch die Sehkraft beeinträchtigen. „Künstliche Tränen“ können vielen Betroffenen helfen.
Gerötete, brennende Augen, ein Fremdkörpergefühl wie Sand unter den Lidern, verklebte Augen am Morgen – viele Menschen kennen diese Beschwerden. Dahinter steckt oft das sogenannte Sicca-Syndrom, eine Entzündungsreaktion der Augenoberfläche. Vor allem ältere Menschen leiden daran, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Ebenso entwickeln etwa die Hälfte aller Kontaktlinsenträger langfristig ein trockenes Auge (vor allem bei weichen Linsen).
Schuld an den Beschwerden ist eine gestörte Tränenbenetzung der Augenoberfläche. Sie wird entweder durch eine verminderte Tränenproduktion oder durch eine verstärkte Verdunstung des Tränenfilms hervorgerufen. Warum dies zu solch heftigen Entzündungsreaktionen führt, liegt an den zahlreichen Funktionen und dem komplexen Aufbau der Tränenflüssigkeit. Denn sie ist weit mehr als nur eine Wasserschicht.
Obwohl nur gut 10 Mikrometer dick (0,01 Millimeter), besteht der Tränenfilm aus drei Schichten, die genau aufeinander abgestimmt sind. Die innere Mucin- oder Schleimschicht glättet die Augenoberfläche, trägt zum klaren Sehen bei und sorgt dafür, dass der Tränenfilm auf der Hornhaut haftet.
Die mittlere, wässrige Schicht besteht vor allem aus Wasser, Nährstoffen und keimtötenden Substanzen. Sie ernährt die Hornhaut, die keine Blutgefäße besitzt, spült Fremdpartikel fort und bewahrt das Auge vor Infektionen. Den Abschluss zur Luft bildet ein hauchdünner Fettfilm, die Lipidschicht. Sie hält den Tränenfilm stabil und schützt ihn vor Verdunstung. Mit jedem Lidschlag wird dieser schützende Film frisch über den Augapfel verteilt.
Wenn der Tränenfilm reißt
Ist zum Beispiel die Lipidschicht nicht intakt, kann der Tränenfilm reißen und abfließen (daher tränen trockene Augen paradoxerweise oft verstärkt). Das Auge ist dann Umwelteinflüssen ungeschützt ausgesetzt. Die Lider scheuern auf dem Augapfel, das Auge wird wund und anfällig für Entzündungen. Die Ursachen für Benetzungsstörungen können vielfältig sein. Generell nimmt die Tränenproduktion im Alter ab. Auch Erkrankungen, wie Diabetes und Rheuma, bestimmte Medikamente oder die Hormonersatztherapie können ein trockenes Auge begünstigen.
Schließlich spielen Umwelteinflüsse eine Rolle. Zu üppig aufgetragene Kosmetika können die Meibom-Drüsen verschließen, welche die Fettmoleküle des Tränenfilms produzieren. Rauchen und Klimaanlagen führen zu einer verstärkten Verdunstung des Tränenfilms, lange Bildschirmarbeit zu einem verminderten Lidschlag.
Augentrockenheit sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn langfristig können Folgeschäden drohen. So können sich etwa in schweren Fällen Vernarbungen bilden, welche die Sehfähigkeit beeinträchtigen. Lassen Sie trockene Augen daher immer ärztlich abklären.
Mit Hilfe von Filterpapierstreifen kann z. B. ermittelt werden, ob die Tränendrüsen ausreichend Tränenflüssigkeit produzieren (Schirmer-Test). Auch die Stabilität des Tränenfilms kann mit speziellen Verfahren beurteilt werden. In den meisten Fällen können sogenannte künstliche Tränen aus der Apotheke die Symptome lindern. In Form von Augentropfen, Sprays oder Gelen befeuchten diese Tränenersatzmittel die Augenoberfläche und verbessern die Qualität des Tränenfilms.
Welches Mittel das richtige ist, hängt vom Schweregrad und der Form der Benetzungsstörung ab. Liegt etwa eine Dysfunktion der Meibom-Drüsen vor, hilft neben der Anwendung von fetthaltigen Tränenersatzmitteln (z. B. liposomale Sprays) die Behandlung der Lidrandveränderung, etwa mit Hilfe einer wärmenden Augenmaske und Reinigung der Lider. So lassen sich etwa verstopfte Drüsen der Lidränder öffnen.
Mitunter kann auch die Gabe von antientzündlich wirkenden Kortison- oder Cyclosporin-Augentropfen erforderlich sein oder ein Verschluss der Tränenabflusskanälchen. Die Therapie des trockenen Auges erfordert meist viel Geduld, da die Wirksamkeit der Mittel mitunter erst nach Wochen beurteilt werden kann. Betroffene sollten deshalb auch unbedingt mögliche Risikofaktoren ausschalten: Verwenden Sie reizarme Kosmetika und achten Sie auf eine gute Händehygiene, um Infektionen beim Berühren der Augen vorzubeugen. Kontaktlinsenträger sollten ihre Linsen zudem regelmäßig mit unkonservierten Tränenersatzprodukten befeuchten.
Tipps gegen Augenstress
- Trinken Sie ausreichend, das unterstützt die Tränenproduktion.
- Bei langer Bildschirmarbeit: alle 20 Minuten eine kurze Pause einlegen, am besten in die Ferne blicken und mehrmals gezielt blinzeln.
- Meiden Sie Zugluft von Ventilatoren und Klimageräten.
- Eine Sonnenbrille bietet Schutz vor Wind und UV-Strahlung und unterstützt die Stabilität des Tränenfilms im Freien.
- Achten Sie in der Wohnung und im Büro auf genügend Luftfeuchtigkeit.
Der Tränenfilm – mehr als nur Wasser
Die drei Schichten des Tränenfilms übernehmen viele Funktionen: Die äußere Fettschicht schützt vor Verdunstung. Die wässrige mittlere Phase ernährt die Hornhaut und enthält keimtötende Substanzen. Die innere Schleimschicht sorgt u. a. dafür, dass der Tränenfilm auf dem Auge haftet.
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