Hilfe bei Kopfschmerzen
Es pocht und hämmert und drückt – Kopfweh hat jeder einmal. Doch manche Menschen sind ständig von dem Leiden geplagt. Mit der richtigen Behandlung lassen sich die Schmerzen häufig in den Griff bekommen.
Kopfschmerzen können einem so richtig den Tag vermiesen. Treten sie nur gelegentlich auf und ist die Ursache klar – etwa nach einer durchgefeierten Nacht oder weil eine Erkältung im Anmarsch ist –, verschafft eine übliche Schmerztablette meist Linderung.
Wer jedoch regelmäßig unter den Attacken leidet und deshalb ständig zur Tablette greift, sollte die Beschwerden ärztlich abklären lassen. Denn in vielen Fällen lassen sich durch eine individuell abgestimmte Therapie die Häufigkeit und Schwere der Kopfschmerzattacken deutlich verringern.
Auf die richtige Diagnose kommt es an
Mediziner kennen heute 363 verschiedene Kopfschmerzdiagnosen, vom häufigen Spannungskopfschmerz über die Migräne bis hin zu seltenen Erkrankungen wie dem Münzkopfschmerz, bei dem der Schmerz nur an einer bestimmten Stelle der Kopfhaut wahrgenommen wird. Grundsätzlich wird zwischen primären und den sekundären (oder symptomatischen) Kopfschmerzen unterschieden.
Erstere sind eigenständige Erkrankungen, darunter fallen etwa der Spannungskopfschmerz, der seltenere Clusterkopfschmerz und die Migräne. Bei sekundären Kopfschmerzen handelt es sich hingegen um das Symptom einer anderen zugrunde liegenden Ursache. Das kann die falsche Brille oder eine entzündete Zahnwurzel sein, aber auch eine ernstere Ursache wie ein Tumor.
Durch eine genaue Diagnose kann nicht nur eine eventuell dahintersteckende Erkrankung ausgeschlossen bzw. behandelt werden, sondern auch die passende Therapie eingeleitet werden. So wird etwa ein dumpf drückender Spannungskopfschmerz teils mit anderen Medikamenten behandelt als eine pulsierende Migräne, die oft mit Begleitsymptomen wie Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit einhergeht. Um der Ursache für die Schmerzen auf die Spur zu kommen, kann ein spezieller Kopfschmerzfragebogen helfen, in dem Betroffene ihre Beschwerden genauer beschreiben (mit Fragen wie: Beginnen die Schmerzen plötzlich? Sind sie pochend-pulsierend oder drückend?).
Nützlich ist auch ein Kopfschmerzkalender, in dem man u. a. einträgt, wann, wie lang und in welchen Situationen die Schmerzen auftreten (etwa bei Stress). Auf keinen Fall sollten ständige Kopfschmerzen einfach ausgehalten werden, denn auf lange Sicht kann sich ein sogenanntes Schmerzgedächtnis ausbilden. Dabei prägt sich die immer wiederkehrende Schmerzerfahrung förmlich ins Nervensystem ein, was zu einer immer höheren Schmerzempfindlichkeit führt – und letztlich zu chronischen Schmerzen.
Andererseits kann auch eine zu häufige und unkontrollierte Einnahme von Schmerzmitteln dazu führen, dass Kopfschmerzen immer häufiger auftreten und irgendwann chronisch werden. Mediziner sprechen in diesem Fall vom medikamenteninduzierten Kopfschmerz.
Achtung: Kopfschmerzen durch Kopfschmerzmittel!
Es klingt paradox, aber Kopfschmerzen können auch durch die übermäßige Einnahme von Schmerzmitteln entstehen. Wer bei akuten Kopfschmerzen zu häufig zur Tablette greift, läuft Gefahr, dass die Kopfschmerzen chronisch werden und sich ein sogenannter medikamenteninduzierter Kopfschmerz entwickelt. Betroffene brauchen dann immer mehr Medikamente, um den Schmerz zu lindern. Meist treten die Attacken zudem häufiger auf und die Schmerzen halten länger an. Einfache Schmerzmittel wie ASS oder Ibuprofen sollten daher nicht häufiger als an 15 Tagen im Monat eingenommen werden, Triptane, Opiate oder Kombinationspräparate nicht häufiger als an 10 Tagen.
Schmerzmittel, Triptane & Co.
Umso wichtiger ist es, Kopfschmerzen mit den jeweils richtigen und wirksamen Mitteln zu behandeln. Für Spannungskopfschmerzen und Migräne, die zusammen etwa 90 Prozent aller Kopfschmerzerkrankungen ausmachen, gibt es mittlerweile eine Vielzahl von hochwirksamen Medikamenten, um die Beschwerden besser in den Griff zu bekommen.
Migräne
Bei dieser Erkrankung des Gehirns entsteht der Schmerz durch eine sogenannte neurogene Entzündung an den Blutgefäßen der Hirnhäute. Die erhöhte Schmerzempfindlichkeit der Gefäßhäute führt dazu, dass jede Bewegung, jedes Pulsieren und Pochen mit Schmerzen verbunden ist. Migräneattacken können wenige Stunden, aber auch bis zu drei Tage andauern.
Neben gängigen Schmerzmitteln wie ASS, Ibuprofen und Kombinationspräparaten mit Koffein, die bei leichten Anfällen die Mittel der Wahl sind, haben sich vor allem sogenannte Triptane als hochwirksam erwiesen. Die Medikamente wurden speziell zur Behandlung von Migräneattacken entwickelt.
Es gibt eine Vielzahl an Triptanen, die sich u. a. in der Wirkdauer und hinsichtlich ihrer Nebenwirkungen unterscheiden. Einige Triptane sind verschreibungspflichtig, andere auch rezeptfrei erhältlich (z. B. Naratriptan und Almotriptan). Triptane gibt es auch als Nasenspray, was bei Begleitsymptomen wie Übelkeit und Erbrechen eine gute Alternative ist.
Zudem stehen zur Behandlung eine Reihe von nichtmedikamentösen Verfahren zur Verfügung, darunter etwa das Vasokonstriktionstraining, eine spezielle Biofeedback-Methode, bei der man die bewusste, willentliche Verengung der Schläfenarterien erlernt.
Spannungskopfschmerz
Spannungskopfschmerzen betreffen in der Regel den ganzen Kopf und werden als dumpf und drückend empfunden. Die Ursachen sind noch nicht eindeutig geklärt, man geht von einer erhöhten Anspannung der Nackenmuskulatur aus, die bei häufigem Auftreten zu einer erhöhten Empfindlichkeit der Schmerzzentren im Gehirn führt. Gegen akute Schmerzen helfen klassische Arzneimittel wie Ibuprofen, Paracetamol und ASS sowie Kombinationspräparate mit Koffein. Aber auch 10%iges Pfefferminzöl kann bei akuten Schmerzen helfen.
Zur Vorbeugung von Spannungskopfschmerzen wird regelmäßiges Kraft- und Ausdauertraining, u. a. zur Mobilisation, Dehnung und Kräftigung der Nackenmuskulatur empfohlen. Auch physiotherapeutische Maßnahmen wie Massagen sind hilfreich. Zeichnet sich beim Spannungskopfschmerz eine Chronifizierung ab, werden zur Vorbeugung auch Medikamente empfohlen, die selbst keine Schmerzmittel sind. Hierzu gehören vor allem verschiedene Antidepressiva, die unabhängig von ihrer Wirkung gegen Depressionen auch bei vielen Arten von Schmerzen lindernd wirken. Sie müssen grundsätzlich regelmäßig, das heißt täglich, eingenommen werden. Mittel der Wahl ist der Wirkstoff Amitriptylin.
Kopfschmerzen bei Kindern
Auch Kinder können unter Migräne oder Spannungskopfschmerzen leiden. Wichtig ist hier eine frühzeitige und wirksame Behandlung, auch um abzuklären, dass keine ernstere Erkrankung dahintersteckt. Behandeln Sie Ihr Kind nicht ohne ärztliche Kontrolle mit freiverkäuflichen Schmerzmitteln. Nicht alle sind für Kinder geeignet und sie können bei falscher Anwendung schwere Folgeschäden verursachen. Zudem können auch Kinder einen medikamentenbedingten Dauerkopfschmerz entwickeln.
Durch ständige Kopfschmerzen und den damit verbundenen Schulausfall können Kinder nicht zuletzt in einen Teufelskreis aus Leistungsabfall, Schulangst und sozialer Isolation geraten.
Generell steht die nichtmedikamentöse Behandlung im Vordergrund. In leichten Fällen reichen oft das Kühlen von Stirn und Schläfen, Pfefferminzöl (Altersbeschränkung!) sowie ausreichend Schlaf und Trinken. Auch ein Wärmekissen im Nacken kann guttun. Bei starken Schmerzen werden sogenannte Multikomponenten-Programme empfohlen. Diese kombinieren u. a. Verfahren wie Biofeedback, Entspannungstechniken sowie Methoden zur Stressbewältigung. Auch zwei Triptane sind als Nasenspray ab dem 12. Lebensjahr zugelassen und können verordnet werden.
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